Heimat und Verlust, 2025
Dieses Stahlwerk liegt weniger als zwei Kilometer entfernt von dem Ort, an dem mein Vater dieses Jahr begraben wurde. Derselbe Friedhof, auf dem auch einer der berühmtesten deutschen Bildhauer ruht: Wilhelm Lehmbruck.
An dem Tag, als ich die Fotos machte, war es kalt. So kalt, dass wir einige Bereiche aus Rutschgefahr nicht betreten durften. In diesen Hallen wurden 37 Millionen Tonnen Eisen produziert. In riesengroßen Hochöfen gebrannt und geschmolzen. Viele der Arbeiter, die in solchen Hallen vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg arbeiteten, arbeiteten täglich über zehn Stunden in unerträglicher Hitze. Einer von ihnen war mein Großvater. Er hatte zwei Schlaganfälle. Mein Vater verlor ihn mit 14 Jahren, genau wie ich meinen Vater, an einem Herzinfarkt.
Wochen nach der Beerdigung meines Vaters suchte ich die Fabrik auf. Als ich vor den hohen Öfen stand und mir vorstellte, welche Hitze in diesen Räumen die Arbeiter erdrückte und welche Fluten an Eisen herunterschmolzen, dachte ich an meine Keramiken. An ihre organischen, fließenden Formen, an Oberflächen, die oft wirken, als seien sie in Bewegung erstarrt. Wie sehr mich dieses Bild von geschmolzenem Metall berührt. Meine Arbeit ist nicht vergleichbar mit dieser industriellen Gewalt, der Hitze und der körperlichen Verausgabung der ehemaligen Arbeiter. Und doch fragte ich mich, ob unbewusst etwas mit mir gesprochen hat. Ob sich Geschichten einschreiben? Ob Material Erinnerungen trägt, auch wenn man sie nie selbst erlebt hat?
Und vielleicht sind es genau diese Momente, die mich tragen. Zwischen den Welten, in denen ich stehe. Zwischen Kuba und Deutschland, zwischen Hitze und Kälte, zwischen Industrie und Natur finde ich immer wieder Berührungspunkte.
Der Verlust meines Vaters hat mich entrissen.
Das erwachsene Selbst fällt zurück ins Kindliche.
Mühsam, in Schleifen, finde ich widerwillig zu mir zurück. Nach Duisburg zu kommen und durch meine Keramiken die Verbindung zu meiner Familie zu spüren, bedeutet für mich ein Stück weit Heilung.

Hochöfen, 2025
Analogfoto


El Corazón, 2025
Keramiksulptur
ca. 15 x 20 cm

Das Stahlwerk, 2025
Analogfoto

Das Herz in der Hand, 2025
Selbstporträt, Analogfoto